Alive

Wrongkong

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Art: Album
Label: Radicalis
Vertrieb: Believe Digital
Single: Feel, Breaking Halo
UPC: 3614597388105
Format: Stream I Download
LC: 23569
Veröffentlichung: 25.03.2016

Warum fühle ich mich hier, trotz meiner eigenen physischen Präsenz, so, als wäre ich gar nicht da? Weshalb ist die Umgebung, alles um mich herum, mir so fremd?

Dieser taumelnde Jetzt-Zustand an einem Ort, an dem man sich nicht zuhause fühlt, ist Cyrena und Thomas durchaus bekannt. Cyrena Dunbar, eine kanadische Künstlerin und Tänzerin, kommt fürs Studium und die Arbeit ins für sie noch unbekannte Nürnberg. Alles ist neu, die Orte, die Menschen, die Sprache. Im Vergleich zu ihrem Heimatort Calgary ist Nürnberg eine Kleinstadt und nicht gerade das, was man sich unter einer deutschen Kreativmetropole vorstellt. Trotzdem gibt es eine kleine, aber feine Künstlerszene und auch Cyrena merkt, dass Nürnberg weit mehr zu bieten hat, als nur Burg und Rostbratwurst. Cyrena bleibt, lebt

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Warum fühle ich mich hier, trotz meiner eigenen physischen Präsenz, so, als wäre ich gar nicht da? Weshalb ist die Umgebung, alles um mich herum, mir so fremd?

Dieser taumelnde Jetzt-Zustand an einem Ort, an dem man sich nicht zuhause fühlt, ist Cyrena und Thomas durchaus bekannt. Cyrena Dunbar, eine kanadische Künstlerin und Tänzerin, kommt fürs Studium und die Arbeit ins für sie noch unbekannte Nürnberg. Alles ist neu, die Orte, die Menschen, die Sprache. Im Vergleich zu ihrem Heimatort Calgary ist Nürnberg eine Kleinstadt und nicht gerade das, was man sich unter einer deutschen Kreativmetropole vorstellt. Trotzdem gibt es eine kleine, aber feine Künstlerszene und auch Cyrena merkt, dass Nürnberg weit mehr zu bieten hat, als nur Burg und Rostbratwurst. Cyrena bleibt, lebt sich ein, das anfänglich nahe Fremde wird zum Vertrauten.

Thomas Wurm ist Musiker und wohnt, im Gegensatz zu Cyrena, schon lange in Nürnberg. Dank den internationalen Erfolgen mit seiner Band The Strike Boys kommt er viel herum, spielt in abgeranzten Clubs in Europa, USA, China. Er verbringt die meiste Zeit nicht etwa auf der Bühne oder in den Backstage-Bereichen, sondern in Flughäfen, Bahnhöfen, Taxis. Auf Tournee sein bedeutet Hin- und Herreisen zwischen all diesen Nichtorten, an denen so viel passiert und doch nichts, an denen man sich ständig aufhält und zu ihnen doch nicht den geringsten Bezug hat. Diese heterotopische Umwelt lieferte ihm den Stoff für die Musik, das Fremde die Inspiration für neue Songs. Und so schleppte er die bunte Tüte an Eindrücken aus der ganzen Welt jeweils zurück ins Studio, um Tracks daraus zu basteln.

Thomas und Cyrena lernen sich 2004 in Nürnberg bei einer Studiosession mit Thomas Band kennen.The Strike Boys machen ruppige Tanzmusik aus Funk, Dub und Soul, abgeschmeckt mit einer ordentlichen Ladung Electronica und 80s Pop. Was ihnen bis anhin jedoch fehlte, ist eine markante powervolle Stimme, die ihrer Musik das gewisse Etwas verleiht. Also lädt Thomas Cyrena für eine Demoaufnahme ein, weil er hörte, dass sie singen kann. Cyrena kann singen. Und zwar so gut, dass die beiden sich entschliessen, längerfristig zusammen zu arbeiten. Aus dem Probelauf wurde ein Musikprojekt und ein Name musste her.

Die Faszination für das Unbekannte und das Fremde, Neue verbindet Thomas und Cyrena. Es hat das Leben beider begleitet und sollte auch den Weg, den sie in Zukunft gemeinsam gehen werden, prägen. Deshalb entscheiden sie sich für den Namen Wrongkong. Das Wortspiel, abgeleitet von Hongkong, hat seine Herkunft aus dem Filmklassiker „Lost in Translation“, dessen Schauplatz ebenfalls eine asiatische Grossstadt ist. Wrongkong steht als Synonym für das Entfremdungsgefühl, welches im Film thematisiert wird ­– dieses Gefühl, das auch Thomas und Cyrena so gut kennen.

Wrongkong sollte nicht nur der Name werden ihres Projekts, sondern auch Titel ihres ersten Albums.Cyrena singt, Thomas produziert und begleitet wird das Ganze vom Schlagzeuger und Thomas' Bruder Markus Wurm, Gitarrist David Lodhi und Keyboarder Claus Friedrich.

Nach Rumtüfteln im Studio und dem Release erster Songs bringen sie in den USA (Minty Fresh, 2007) und in Europa (Modernsoul, 2008) „Wrongkong“ auf den Tisch. Ab dann geht’s Bergauf. Das Duo gewinnt nicht ganz unbedeutende Preise wie den Kulturpreis Nürnberg und den Toronto Exclusive Award, tritt zusammen mit ihrer Band an Festivals auf, geht auf Tournee durch Deutschland, Österreich, die Schweiz. Vor allem machen Cyrena und Thomas aber eins: Mehr Musik produzieren. Die folgenden Veröffentlichungen werden poppiger als ihr Erstlingswerk. Nachdem die Songs wie „Real Boy“ noch im Stil von The Strike Boys funkige Funken sprühen, bewegen sich die Alben „So Electric“ (Auf die Plätze, 2011) und „Kill The Should And Make A Do“ (Auf die Plätze, 2013) stärker zum verruchten Pop-Rock hin. Geblieben sind aber die Tanzflächenrhythmen und die bereits erwähnte ordentliche Ladung Electronica im Retrolook. Electropop, Indietronic – wie auch immer man es nennen mag – Cyrena und Thomas sind angekommen.

Nun ziehen sich Thomas und Cyrena wieder ins Studio zurück. Die nächste EP kommt im März unter dem Namen Alive heraus und wird nochmals etwas anders, etwas gesetzter. Die rhythmischen Klänge und die treibenden Beats bleiben, aber die Songs wie „Breaking Halo“ und „Feel“ klingen bestimmter, punktgenauer.

Zwar haben Cyrena und Thomas mit ihrem Bandnamen das Gefühl des Nicht-Zuhause-Seins zum Thema gemacht, aber auf ihre Musik trifft es definitiv nicht zu.

Denn obwohl das Duo mit ihrer EP wieder neue Töne anschlägt, scheint es, als fühlt es sich auch in dieser musikalischen Ecke schon lange daheim. Und Veränderung ist gut, denn Veränderung bedeutet sich weiterentwickeln, nicht stillstehen, Neues, Fremdes zum Eigenen, Vertrauten machen. Genau das, was Cyrena und Thomas dahin gebracht hat, wo sie jetzt stehen ­– zu Wrongkong

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